Wie viel ist genug? Vom Wachstumswahn zu einer Ökonomie des guten Lebens

„Die wirkliche Verschwendung, mit der wir heute konfontiert sind, ist nicht die Verschwendung von Geld, sondern die Verschwendung von Möglichkeiten von Menschen.“

Immer mehr Arbeiten, immer mehr Kaufen, immer mehr mehr Geld verdienen, immer mehr Wachstum.

Noch nie stand uns soviel Geld zur Verfügung – eigentlich haben wir doch schon längst alles Notwendige. Folgerichtig stellen Robert und Edward Skidelsky in Ihrem Werk die Frage: „Wie viel ist genug?“
Wie viel Geld brauchen wir, um ein gutes Leben zu führen? Brauchen wir ständiges Wachstum angesichts unseres jetzt schon vorhandenen materiellen Überflusses?

Anders als viele Wachstumskritiker stellen die Skidelskys nicht die ökologischen Folgen des wachstumsfixierten Wirtschaftstyps in den Fokus. Viel mehr weisen sie auf soziale Folgen hin: eine reine Geld- und Wachstumsfixierung folgert Vereinsamung, fördert asoziales Verhalten und raubt uns unserer Freizeit. Der ausufernde Konsum von eigentlich unnötigen Gegenständen betäubt lediglich diese Symptome, ohne jedoch eine sinnstiftende Befriedigung lebensdienlicher Bedürfnisse zu erzeugen.

Den Sinn des Geldverdienens und des Arbeitens suchen Edward und Robert Skidelsky bei Philosophen und Wirtschaftswissenschaftlern in der Vergangenheit. Stets wurden die selben Basisgüter, wie soziale Sicherheit, Naturerfahrungen und Freundschaft für essentiel erkannt. Gier galt als Sünde und Geld sollte genutzt werden, um uns so etwas wie Muße zu ermöglichen. Muße bedeutet hier, die Feiheit, Dinge zu tun, die man aus freier und spontaner Motivation tun will – nicht Dinge, die man tun muss.

Mehr Muße statt Wachstum und Konsum? „Wie viel ist genug?“ ist eine überaus überzeugende Kritik am Wachstumsdogma. Als zentralen Handlugsschritt für die Politik geben die Autoren eine Abkehr der Wachstumsfixierung, hin zu einer Sozialpolitik für die Basisgüter vor. Diese beinhaltet Schritte wie eine zentrale Rolle von Bildung und Erziehung für einen Wertewandel, weniger Werbung, die Sicherung eines Grundeinkommens und somit die Sicherung von mehr sozialer Gerechtigkeit.


Rezensent: Ruben Foppe

Wie viel ist genug? Vom Wachstumswahn zu einer Ökonomie des guten Lebens

Robert und Edward Skidelsky

Kunstmann, München 2013