Vielleicht will der Kapitalismus gar nicht, dass wir glücklich sind. Erkenntnisse eines Geläuterten

„Wir sind übersättigt und überarbeitet und schaffen es nicht, mitten im größten Wohlstand aller Zeiten glücklich und zufrieden zu sein.“

 Von allem immer mehr haben, dabei nicht zufrieden sein. Wie kann das sein? Der Kapitalismus ein außer Kontrolle geratenes System, dessen Regeln und dessen Eigendynamik sich selbst immer besser versorgen, aber die Menschen aus den Augen verliert?

Bereits Easterlin hat in seinem bekannten Paradoxon formuliert, dass uns Wohlstand nur bis zu einem bestimmten Grad glücklicher und zufriedener macht. Dieser Punkt scheint in der westlichen Welt bereits überschritten. Hier setzt die Analyse von Max A. Höfer an, indem er sich die Verselbständigung kapitalistischen Denkens und Handelns und was sie mit den Menschen macht im Detail anschaut. Eine Säule seiner Argumentation bildet hierbei die mittlerweile über 100 Jahre alte Schrift von Max Weber über die puritanisch-protestantischen Wurzeln des Kapitalismus, dessen Erkenntnisse Höfer auf Heute überträgt.

Ein zentrales Thema für ihn ist unser schwieriges Verhältnis zur Arbeit. Arbeit zu haben wertet uns als Individuum gesellschaftlich auf. Soweit so gut. Aber wir bekommen anscheinend immer schwerer gesteuert, welche Art von Arbeit und in welcher Intensität gut für uns ist. Eine interessante Pointe in diesem Zusammenhang: Ausgerechnet der Wunsch nach Unabhängigkeit und Kreativität der Hippiebewegung wird vierzig Jahre später zum Motor für Selbstausbeutung. Mittlerweile fällt es immer schwerer dies in einen positiven Kontext zu setzen.

Ähnliche Zusammenhänge untersucht Max A. Höfer in Bezug auf unser Konsumverhalten, den (puritanisch geprägten) Wunsch der Selbstoptimierung und einer übersteigerten Selbstdarstellung sowie der schwierigen Rollenaufteilung von Staat und Markt.

Das Buch ist ein Aufruf diese Zusammenhänge gesamtgesellschaftlich zu reflektieren und zu überlegen, was wollen wir eigentlich. In seinen Worten gilt es „den Puritaner in uns“ zu erkennen, dessen Mentalität uns an vielen Stellen deutlich prägt. Dem entgegengesetzt sollte sich jeder einzelne in die Lage bringen, für sich herauszufinden was gelungenes Leben ausmacht.

Eine fundierte Argumentation über, wie ich finde relevante Umstände, deren Auswirkungen wir alle in den eigenen Familien, Nachbarschaften oder Freundeskreisen live miterleben können. Danke für diesen notwendigen Augenöffner. Ich wünsche mir das letzte Kapitel („Das gute Leben“) zu einem Fortsetzungsband ausgebaut.

Rezensent: Dr. Stefan Meinsen

 

Max A. Höfer
Vielleicht will der Kapitalismus gar nicht, dass wir glücklich sind. Erkenntnisse eines Geläuterten
2013
Albrecht Knaus Verlag München