Sterben und Gelassenheit. Von der Kunst, den Tod ins Leben zu lassen

„Und letztlich läuft es doch darauf hinaus: bevor Du gelassen bist, musst du gelassen werden.“


Drei Fachleute aus dem Hospiz- und Palliativbereich befassen sich in einem anspruchsvollen Dialog mit dem unausweichlichen Thema des Sterbens und förderlichen Haltungen, die auf dieser feststehenden Grundlage ein gutes, schönes und gelassenes Leben ausmachen können. Dabei sind die Gesprächspartner, eine Professorin für Ethik, ein in der Onkologie tätiger Psychologe und  ein in der Ausbildung von  Ehrenamtlichen in Hospizen tätiger Sozialpädagoge, gleichsam Experten und betroffene Menschen. Im Kern geht es in diesem Dialog um die Frage, was für Menschen ein gutes, erfülltes und selbstbestimmtes Leben ausmacht und wie Lebenskunst angesichts der gewissen Endlichkeit des Lebens aussehen kann. Der gehaltvolle Dialog des schlanken Buches ist auf 143 Seiten in 15 Kapitel gegliedert und bezieht seine Denkangebote insbesondere aus der Beschreibung von Einzelschicksalen, aus philosophischen und religiösen Weisheitstraditionen, aus Literatur und Wissenschaft. Dabei werden gleichsam übergeordnete Haltungen besprochen und reflektiert, wie auch konkrete Ideen zur Einübung und Vertiefung von Gelassenheit gegeben. Die Dialogpartner erkunden das Thema in sensibler, ehrlicher und differenzierter Manier. In wohltuender Weise treten sie dabei als Menschen auf, die einem Thema von grundlegender Bedeutung in einer Haltung des Erkundens, Erforschens und Verstehenwollens, sprichwörtlich auf den Grund gehen, statt sich aus der Perspektive der Expertin bzw. des Experten zu distanzieren. Bei der Schwere der Thematik verstehen es die Gesprächspartner, den Gewinn für ein gutes Leben anschaulich werden zu lassen, wenn Menschen sich mit der Tatsache ihrer Endlichkeit gleichsam aktiv gestaltend, zulassend und loslassend befassen. Manfred Hillmann macht dies an einer Stelle explizit: „Eine Haltung der Abschiedlichkeit ist gerade keine Haltung der Resignation“. Diese Haltung findet sich in dem Buch vom Anfang bis zum Ende. Das Buch lädt dazu ein, immer wieder hervorgenommen zu werden, in ihm zu lesen, zu blättern und sich anregen zu lassen.


Rezensent: Dr. Stephan Rietmann

Sterben und Gelassenheit. Von der Kunst, den Tod ins Leben zu lassen
2013
Vandenhoeck & Ruprecht