„Mehrwert Glück. Plädoyer für ein menschengerechtes Wirtschaften“

„Die traditionelle Ökonomie geht am Menschen und an der Realität vorbei.“

Johannes Wallacher beschreibt in seinem Buch auf Basis der Erkenntnisse der Glücksforschung die Vorteile eines nachhaltigen, glücklichen Lebensstils sowohl für den Einzelnen als auch für eine funktionierende Ökonomie. Es ist ein Plädoyer für eine neue wirtschaftliche Denkweise, die den Menschen und seine Bedürfnisse in den Vordergrund stellen.

Er skizziert zunächst die Anfänge der Wirtschaftsethik, jener Disziplin, die versucht, im Schnittfeld von Ökonomie und Philosophie allgemeine Maßstäbe zu finden, die den menschlichen Bedürfnissen gerecht werden. Dabei spannt er den Bogen von Aristoteles, der Wirtschaft und Ethik noch untrennbar miteinander verbunden sah, über John Maynard Keynes bis hin zur heutigen Wirtschaftswissenschaft und dem Modell des Nutzen maximierenden Homo Oeconomicus. Dieses Modell, das bis heute zum Standard an den Universitäten gehört, gilt seiner Meinung nach als überholt: „die traditionelle Ökonomie geht am Menschen und an der Realität vorbei.“ Menschliches Verhalten werde nicht nur durch äußere Anreize bestimmt, sondern auch durch andere Faktoren, die mit der persönlichen Bewertung einer bestimmten Situation zusammenhängen. Wallacher zeigt auf, dass bei Entscheidungen nicht nur der Nutzen abgewägt wird, sondern auch andere Faktoren eine große Rolle spielen, besonders der soziale Vergleich mit den Mitmenschen.

Lebenszufriedenheit ist nicht gleichzusetzen mit wirtschaftlichem, also monetärem Wohlstand; mehr Konsum führt nicht automatisch zu mehr Wohlergehen und Geld spielt bei der Bewertung des eigenen Glücks nur eine sehr untergeordnete Rolle – dies sind einige der Erkenntnisse der Glücksforschung, die Wallacher hervorhebt und eine direkte Verbindung zur Wirtschaft herstellt: auch aus Arbeitgebersicht ist es wirtschaftlich gesehen vorteilhaft, glückliche Mitarbeiter zu haben, und um das zu erreichen, ist Geld nicht das effektivste Mittel. Innere Motivation und die Wertschätzung der eigenen Arbeit sind viel wichtiger als die Aussicht auf einen Gehaltsbonus; wichtig ist den Meisten auch ein möglichst hoher Grad an Freiraum für Kreativität und Verantwortung. Arbeit soll vor allem Spaß machen, Sinn stiften und nicht nur Mittel zum Zweck sein. Wallacher fordert daher ein Umdenken am Arbeitsplatz – hin zu einer neuen Zeitkultur, dem Eingestehen von Fehlern und menschengerechtem Führen. Die Menschen müssten sich befreien aus dem trügerischen Bild, immer mehr Konsum würde sie glücklich machen; aus dem ständigen Konkurrenzkampf um Status und der damit verbundenen Angst, diesen wieder verlieren zu können.

Doch nicht nur im kleinen persönlichen, auch im Großen Rahmen müsse ein Wandel stattfinden, damit die Welt auch in Zukunft lebenswert bleibe. Dabei seien sowohl Konzerne als auch Staaten gefragt, die durch politische Vorgaben mehr Nachhaltigkeit „erzwingen“ könnten. Unternehmen müssten die Vorteile nachhaltigen Wirtschaftens und den Wert ressourceneffizienter und klimaverträglicher Technologien als wichtige Wachstumsmärkte der Zukunft erkennen. Gleichzeitig appelliert Wallacher an den einzelnen Bürger, nachhaltiges Verhalten vorzuleben und von Unternehmen und der Politik einzufordern – denn nur im Verbund von Staaten, Unternehmen, den Bürgern und der Zivilgesellschaft sei es möglich, einen Wandel in die Wege zu leiten. Wohlstand für alle, und das nicht nur in finanzieller Hinsicht, ist nach Wallacher ein erstrebenswertes Ziel, das gemeinsam erreicht werden könne.

Johannes Wallacher fordert nicht weniger als „eine neue industrielle Revolution, die auf den Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen abzielt. Dabei glaubt er nicht an die Selbstregulierung des Marktes, sondern hält staatliches Eingreifen in Krisenfällen für sinnvoll. Und auch in der internationalen Politik mangele es an verbindlichen, regulierenden Abkommen, nationale Eigeninteressen stünden gemeinsamen Problemlösungen im Weg. Nur wenn alle zusammen arbeiteten – Staaten, Unternehmen, Zivilgesellschaft und Bürger – sei es möglich, die Krise noch abzuwenden. Gemeinsam sei es mit einem ausgewogenen Zusammenspiel von Wettbewerb, Regulierung und Moral zu schaffen, ein menschengerechtes Wirtschaften zu erreichen. 

Aber, und das sollte als Aufbruchsapell für alle verstanden werden – es wird nicht leicht, und es gibt viel zu tun. Das Buch ist ein Aufruf dazu, Dinge gemeinsam anzupacken, damit eine menschengerechte, nachhaltige Wirtschaft keine Utopie bleiben muss.

 

Rezensent: Renke Quedens

 

Johannes Wallacher

Mehrwert Glück. Plädoyer für ein menschengerechtes Wirtschaften.

Herbig Verlag (2011)