„Einkommen für alle“

„Die Möglichkeit zur Teilnahme an der Gesellschaft als Recht eines jeden im Grundgesetz verankern.“

Götz W. Werner, bekannt als Gründer und Eigentümer der Drogeriemarktkette dm, fordert in seinem Buch einen radikalen Kurswechsel in der Sozial- und Steuerpolitik.

Das Prinzip ist einfach: jeder Bürger erhält einen festen Grundbetrag, dessen Auszahlung an keine bestimmten Bedingungen oder  Gegenleistungen wie Arbeit geknüpft ist. Alle anderen Leistungen wie Arbeitslosengeld 2, „Hartz IV“ genannt, entfallen, und damit auch die staatliche Kontrolle. Natürlich ist dafür eine enorme Umstrukturierung notwendig, allerdings ist ein großer Vorteil an Werners Idee, dass sie mit einem massiven Abbau an Bürokratie, und damit natürlich auch an Kosten, verbunden ist. Der Apparat, der mit den jetzigen Sozialleistungen zusammenhängt, würde entfallen. Weitere Kosten würden eingespart, da an die Stelle aller jetzigen nur noch eine einzige, nämlich die Verbrauchssteuer, treten würde. Dieses System wäre für alle gerecht – wer viel verbraucht, der muss auch viel zahlen, wer keine hohen Konsumausgaben hat, der spart. Luxusgüter werden dabei höher besteuert als Güter des täglichen Gebrauchs.

Wer mehr für seine Lebenskosten braucht, kann sein Grundeinkommen durch Einkünfte aus Arbeit aufstocken. Die Menschen sind dadurch freier, sie müssen nicht mehr jede Arbeit annehmen, die ihnen von den Jobcentern auferlegt wird. Jeder Bürger erhält den gleichen Betrag – keine Anträge mehr, keine entwürdigenden Prüfungen.

Mit der Umsetzung von Werners Idee wäre eine notwendige Trennung von Arbeit und Sozialleistungen verbunden. Arbeiten wie die Versorgung kranker Familienmitglieder werden nicht entlohnt, sind aber in Hinblick auf die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland immer wichtiger. Außerdem ist durch die zunehmende Automatisierung wirtschaftliches Wachstum nicht mehr zwingend mit der Entstehung neuer Arbeitsplätze verbunden.

Das Buch ist ein Aufruf zu mehr Selbstbestimmung und weniger staatlicher Bevormundung. In einer Zeit, in der Vollbeschäftigung kaum noch möglich ist, bietet Werners Ansatz eine attraktive Alternative. 

 

Rezensent: Renke Quedens

 

Götz W. Werner

Einkommen für alle. Der dm Chef über die Machbarkeit des bedingungslosen Grundeinkommens.

Bastei-Lübbe Verlag (2008)