Du sollst nicht funktionieren: Für eine neue Lebenskunst

 „Im Zeitalter der Optimierung wird der menschliche Leib zum Produkt, die Natur zur Ressource und der andere Mensch zum Spielstein für die eigenen Ansinnen.“

Das kommt dabei raus, wenn eine Philosophin Tacheles redet: eine furiose Streitschrift über unser, an vielen Stellen künstliches, Dasein.

Ariadne von Schirach (Jahrgang 1978) ist freie Autorin und lehrt an der Berliner Universität der Künste. In ihrem Essay beklagt sie vehement die Vermarktung unseres Daseins – unserer Beziehungen, unseres Selbstbildes, unseres Arbeitslebens. Wir betätigen uns  als Ausbeuter und Ausgebeuteter in einer Person – ein anstrengendes Doppelspiel. In unserer Gewohnheit Menschen, Dinge, sogar die Natur auf ihren Nutzen zu reduzieren, verlieren wir die Akzeptanz von zutiefst Menschlichem wie Unperfektheit, Schwäche, Ängste oder Vertrauen.

Wenn alles optimal sein soll, dann ist es am Ende auch irgendwie steril und fad. Den eigenen überzogenen Ansprüchen nicht gerecht werden könnend, liebt man sich am Ende selbst nicht mehr und kann sich auf Andere oder Anderes nur noch oberflächlich einlassen. Dadurch bekommen wir am Ende immer weniger von dem, wonach wir uns eigentlich sehnen: Anerkennung, Sicherheit und Liebe.

Von Schirach stellt diesem eher kalten und marktgetriebenen Denken ihre Anstiftung zum Leben und Lieben entgegen. Ihr Buch ist voll von klugen, provozierenden und wachmachenden Beispielen.

Der Titel irritiert auf den ersten Blick: eine „Du sollst-Logik“ widerspricht der Botschaft der Autorin. Vielleicht ein Marketing-Gag.

Rezensent: Dr. Stefan Meinsen

 

Ariadne von Schirach
Du sollst nicht funktionieren: Für eine neue Lebenskunst
2014
Tropen Verlag