Die Tyrannei der Arbeit: Wie wir die Herrschaft über unser Leben zurückgewinnen

„Es ist an Ihnen, Ihr Leben zu gestalten.“

„Nein, dieses Buch ist keine Kritik der Arbeit. Es ist eine Kritik an der Tyrannei, zu der sie sich über unser Leben aufgeschwungen hat“ schreibt Urlich Renz im Vorwort seines unterhaltsamen, anregenden und kurzweiligen Buches. Darin geht es um Bedeutung und Stellenwert von Arbeit und eine Kritik der Auswüchse, dass es nämlich in unserer Gesellschaft für ein Leben jenseits der Arbeit an Phantasie zu fehlen scheint. In seiner kenntnisreichen, gleichsam amüsanten wie deutlichen Gesellschaftskritik erkennt der Leser die vielen Facetten des modernen Arbeitslebens und sich selbst wieder, beispielsweise: die Chancen und Zumutungen einer kontinuierlichen Selbstoptimierung und Selbstvermarktung, die Bedeutung eines statusgetriebenen Hamsterrades, die Notwendigkeit beruflicher Emotionsarbeit und des Prinzips „Genug ist nicht genug“, über das anscheinend weithin Konsens zu bestehen scheint. Wie wäre das Streben nach kontinuierlichen Wachstum sonst zu erklären? Aus der Perspektive des Arbeitslebens arbeitet der Autor die Bedeutung für verschiedene andere individuelle und soziale Lebens- und Erlebensbereiche heraus: Gesundheit und Zivilisationskrankheiten, Familie und Beziehungen, Konsum und soziale Teilhabe, Selbstverwirklichung und Sinnerleben. Im Einband des Buches wird die Sicht des Autors direkt auf den Punkt gebracht: “ Was wir einen Lebenslauf nennen, ist in Wirklichkeit ein Berufslauf: Arbeit bestimmt unser ganzes Dasein“. Der Autor beschreibt in flüssiger, journalistischer Weise und unter Benennung vieler aktueller Studien die lange Geschichte der Arbeit und die kurze Geschichte ihrer Verherrlichung, deren Kulmination heute weithin erfahrbar wird. Dabei weiß er, wovon er spricht, kennt er doch Verlockungen, Verführungen und Grenzerfahrungen aus seiner eigenen Berufsbiographie. Sein Buch ist Kritik am derzeitigen System zu arbeiten, gleichzeitig macht es Mut und Lust Alternativen auszuprobieren und sich selbst der Frage zu stellen, ab wann es genug ist und wie man „mehr Leben wagen“ kann.

Rezensent: Dr. Stephan Rietmann

 

Ulrich Renz

Die Tyrannei der Arbeit. Wie wir die Herrschaft über unser Leben zurückgewinnen.

Verlag Ludwig (2013)