Change – Bewegung im Kopf

„Wenig ist uns in die Wiege gelegt, aber fast alles ist möglich. Wie unser Gehirn wird, hängt davon ab, wie wir es benutzen.“

 

Dr. Constantin Sander befasst sich in seinem Buch „Change – Bewegung im Kopf“ mit Veränderungsprozessen im Business aus neurowissenschaftlicher Sicht. Der Autor gliedert sein Buch dabei in drei Teile. Im ersten Teil werden die naturwissenschaftlichen Grundlagen für Veränderungen in der Natur und im menschlichen Gehirn dargestellt. Aufbauend auf dieser Grundlage skizziert der zweite und ausführlichste Teil des Buches wie Change Management Prozesse im Businesskontext angegangen werden sollten. Der dritte und kürzeste Teil geht auf die Rolle des Managements und der Beratung in diesen Prozessen ein.

Das gesamte Werk umfasst, trotz der komplizierten Thematik, gerade einmal rund 250 Seiten. Hier wird schnell klar, um was es dem Autor bei seiner Arbeit geht: nämlich eine möglichst kompakte und leicht verständliche Zusammenfassung über eine neurowissenschaftliche Sichtweise aufs Change Management darzustellen. Dies gelingt über weite Strecken des Werks auch sehr gut. Obwohl Dr. Sander einen großen Teil seiner Karriere als Naturwissenschaftler gearbeitet hat, wird dem Leser niemals das Gefühl vermittelt, dass er eine wissenschaftliche Abhandlung in den Händen hält. Dies ist keineswegs abwertend gemeint, da „Change – Bewegung Kopf“ sich ohne große rhetorische Allüren sehr flüssig lesen lässt. Der breiten Leserschaft unbekannte Fachtermini werden weitestgehend vermieden und komplexe Modelle auf das Wesentliche reduziert. Nach jedem Kapitel werden kompakte Zusammenfassungen angeboten, die dem eiligen Interessierten ein schnelles Querlesen ermöglichen. Ebenfalls werden Praxisbeispiele hin und wieder eingestreut um den Bezug zum persönlichen als auch zum Businesskontext herzustellen. Wer jedoch einen „Handwerksguide“ für praktizierenden Change Manager sucht, der liegt bei diesem Titel falsch. Dafür reichen die erwähnten 250 Seiten des Buches bei weitem nicht aus. Es wird allenfalls an der Oberfläche der sehr komplexen Thematik gekratzt – wissenschaftlich betrachtet als auch aus Sicht von praktizierenden Change-Experten. Genau hier liegt der spannende aber auch kritische Kern des Buches. Der Autor versucht in hoch kondensierter Form zwei Welten zu verheiraten, mit denen sich allein genommen schon ganze Bücherbände füllen lassen. Dies sollte jedem ambitionierten Leser klar sein. Wer seine Erwartungen entsprechend adjustiert und sich darauf einlässt, findet ein hoch unterhaltsames Werk, von einem Autor, der beide Welten erfolgreich beruflich beschritten hat.

Die Kernthese des Buches ist vielleicht nicht neu, die Herleitung und Herangehensweise zu eben jener schon. Wer Veränderungsprozesse für sich persönlich oder als Verantwortlicher im Management angehen möchte, sollte sich Erkenntnissen aus der Neurowissenschaft und der Psychologie bedienen: Veränderungsprozesse sind eine notwendige Voraussetzung, um komplexe Systeme (z.B. Biotope, das menschliche Gehirn oder soziale Organisationen) langfristig zu stabilisieren und „wettbewerbsfähig“ zu halten. Für Change Prozesse, die uns Menschen betreffen bedeutet dies, dass die Betroffenen ihre eigene Motivation erkennen und sich heraus aus der Komfortzone bewegen sollten. Im klassischen Change Management Kontext kennen wir dies unter dem Stichwort „Mitarbeiterbeteiligung“ und „Rückenwind durchs Top-Management“. Der Autor greift für seine Thesen nicht nur auf neurobiologische und psychologische Forschungsergebnisse zurück, sondern stellt u.a. auch Modelle aus der Systemtheorie oder dem Neuro-Linguistischen-Programmieren (NLP) vor. Diese Einnahme von unterschiedlichen Perspektiven macht das Buch, vor allem für Laien, sehr lesenswert. Wer sich schon länger mit diesen Themengebieten beschäftigt und großartige neue Erkenntnisse erwartet, wird an der ein oder anderen Stelle vielleicht ein wenig enttäuscht sein, da große Teile des Buches damit verbracht werden, die notwendigen Grundlagen zu erklären. Daher empfehle ich dieses Werk insbesondere der Leserschaft, die aus der Change Management Praxis kommt, sich aber hauptsächlich mit den kaufmännisch-relevanten Themengebieten auseinandergesetzt hat. Gerade für diese Zielgruppe bietet Dr. Sanders „Change – Bewegung im Kopf“ eine ideale Möglichkeit, eine naturwissenschaftliche/psychologische Perspektive auf Praktiken im Change Management einzunehmen.

 

Rezensent: Stephan Labrenz

Constantin Sander

Change! – Bewegung im Kopf

BusinessVillage Verlag